Wäre es nicht wunderbar wenn du, bevor du einen Journalisten kontaktierst, wüsstest, dass das Thema das du ihm vorschlagen möchtest, ihn auch interessiert? Wäre es nicht hilfreich, wenn du wissen würdest, was eine Story für die Medien berichtenswert macht? Mittels Nachrichtenfaktoren ist dies mit Leichtigkeit und ein wenig Übung möglich. 

Was sind die Nachrichtenfaktoren?

Die Nachrichtenfaktoren oder auch Nachrichtenwerte zeigen an, ob und in welchem Umfang eine Meldung berichtenswert ist. Sie spiegeln die journalistische Auswahl wieder, anhand derer ein Redakteur entscheidet, ob er eine Nachricht als relevant einstuft oder nicht. 

Die Theorie der Nachrichtenwerte gibt es bereits seit 1922. Immer wieder wurden die Nachrichtenwerte verändert und angepasst. Eins blieb jedoch bestehen: ein klar erkennbares Muster, nachdem darüber entschieden wird, was eine gute Story ausmacht. Demnach sollte mindestens ein Nachrichtenfaktor in einer Meldung enthalten sein. Aber auch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren ist möglich. 

Welche Nachrichtenfaktoren gibt es?

Je nachdem welche Theorie man aufgreift, gibt es zwischen sechs und zehn Faktoren (zum Teil mit weiterer Kategorisierung), die darüber entscheiden, ob eine Nachricht in die Medien aufgenommen wird oder nicht. 

Der neuesten theorethischen Entwicklung geht man von sechs Nachrichtenwerten aus, die jeweils in weitere Unterkategorien aufgespalten werden: 

  1. Zeit (Dauer / Thematisierung)
  2. Nähe (räumlich, politisch, kulturell, Relevanz)
  3. Status (Regionale oder nationale Zentralität, persönlicher Einfluss, Prominenz)
  4. Dynamik (Überraschung, Komplexität) 
  5. Valenz (Konflikt, Kriminalität, Schaden, Erfolg)
  6. Identifikation (Personalisierung, Ethnozentrismus)

Nachrichtenfaktor Zeit

Einer der wichtigsten und prominentesten Faktoren, ist der Nachrichtenwert Zeit. Dieser spielt in fast jeder Meldung, ganz gleich in welchem Medien dies erscheint, eine Rolle. Der Wert kann in zwei Formen vorkommen: Dauer oder Thematisierung. 

Mit Dauer ist gemeint, dass die Meldung zu einem bestimmten Termin oder innerhalb einer gewissen Zeitspanne stattfindet. Das ist wichtig, denn alle Medien möchten aktuelle Themen aufgreifen. 

Thematisierung hingegen zeigt kein bestimmtes Datum oder einen Termin an, sondern dreht sich darum, dass das Thema momentan äußerst populär ist. Es kann sich um Themen handeln die für eine kurze Zeitspanne interessant sind, aber auch um Dauerbrenner, die ganze Monate oder sogar Jahre die Aufmerksamkeit der Medien haben.

Beispiele hierfür wären Nachhaltigkeit oder Klimaerwärmung. 

Nachrichtenfaktor Nähe

Auch der Nachrichtenwert Nähe ist äußerst häufig vertreten. Hier spielt jedoch die Art des Mediums, in dem eine Meldung erscheinen soll, eine Rolle. 

Nähe wird in vier weitere Kategorien unterteilt: räumliche, politische, kulturelle Nähe und Relevanz. 

Besonders die räumliche Nähe ist im Zusammenspiel mit dem jeweiligen Medium interessant. So ist dieser Wert für regionale oder lokale Medien interessant. Für überregionale, nationale oder gar internationale Medien spielt er kaum eine Rolle. 

Hier werden die anderen drei Faktoren interessant. Politische und kulturelle Nähe sind nicht geografisch gebunden, sondern finden einen gemeinsamen Nenner, der durchaus weitreichender ist. 

Und auch der vierte Faktor Relevanz hat seine Besonderheit. Dieser steht nämlich in Abhängigkeit zum Konsument der Medien. Ob eine Meldung für einen Leser, Hörer oder Zuschauer relevant ist, entscheidet sich daran, ob dieser Betroffen ist oder nicht. 

Als Beispiel für die räumliche Nähe sind sämtliche Meldung über lokale oder regionale Aktivitäten, wie z.B. eine Veranstaltung eines ortsansässigen Vereins zu betrachten. Politische und kulturelle Nähe lässt sich in jeder Meldung über Politik oder im Feuilleton einer jeden Zeitung finden. Ein Beispiel für Relevanz wäre eine Meldung über Medikamentenengpässe in ganz Deutschland. Hier ist jeder Bürger betroffen, der auf Medikamente angewiesen ist. Die hohe Betroffenheit macht die Meldung relevant. 

Nachrichtenfaktor Status

Der dritte Nachrichtenwert ist der Status. Auch dieser wird in vier weitere Werte aufgegliedert: regionale oder nationale Zentralität, persönlicher Einfluss und Prominenz. 

Die regionale oder nationale Zentralität unterscheidet sich nur in ihrem Geltungsbereich. Sonst ähneln sie sich jedoch sehr. Gemeint ist der politische oder wirtschaftliche Einfluss und dessen Bedeutung und Auswirkungen auf eine Region oder ein Land. 

Mit persönlichem Einfluss ist die politische Macht einer Person gemeint. Diese kann eine Meldung erst interessant machen. 

Gleiches gilt für den Faktor Prominenz. Nicht zuletzt all die Klatsch- und Tratsch-Blättchen beweisen, dass Prominenz ein wesentlicher Nachrichtenfaktor ist. Auch die vielen Zitate und die Nennung von prominenten Persönlichkeiten in Artikeln, spricht dafür. 

Klassische Beispiele für den Nachrichtenwert Status sind Meldungen über Gesetzesänderungen (regionale oder nationale Zentralität), der Besuch eines Ministers an einem bestimmten Ort oder auch eine Meldung über die Sichtung eines Prominenten bei einer bestimmten Tätigkeit oder an einem bestimmten Ort. 

Nachrichtenfaktor Dynamik

Einer der Faktoren, die darüber entscheiden, ob eine Meldung nicht nur relevant und berichtenswert, sondern auch wirklich interessant und spannend ist, ist der Faktor Dynamik. Dieser wird in zwei Bereiche unterteilt: Überraschung und Struktur. 

Der Faktor Dynamik ist häufig dafür verantwortlich, dass wir eine Geschichte interessant finden. Häufig führt Dynamik dazu, dass eine Information unterhaltsam wird. Die bisher genannten Faktoren dienen eher der reinen Information. 

Dies kann man auch in der Literatur beobachten. Besonders in Romanen wird der Faktor Dynamik genutzt, um eine (fiktive) Geschichte zu gestalten. Hier werden die Werte Überraschung und Struktur häufig miteinander kombiniert. 

Der Wert Überraschung meint den Verlauf von einer Geschichte mit unvorhersehbaren Wendungen. Struktur hingegen bezeichnet die Komplexität einer Geschichte. 

In klassischen Printmedien, wie der Tageszeitung findet man den Faktor Dynamik nicht so häufig. Im Fernsehen wird er dafür sehr oft verwendet. 

Nachrichtenfaktor Valenz

Ein weiterer Klassiker der Nachrichtenwerte ist die Valenz. Diese unterscheidet sich in vier Bereiche: Konflikt, Kriminalität, Schaden und Erfolg

Dieser Faktor wird häufig verwendet um persönliche Erfahrungen zu erzählen, seien es Best Practice Beispiele, Erfolgsgeschichten, Leidensgeschichten oder gar polizeiliche Berichte. In all diesen Formen ist Valenz der Faktor, der die Geschichte erst erzählenswert macht. 

Nachrichtenfaktor Identifikation

Der letzte der sechs Nachrichtenfaktoren ist die Identifikation. Diese wird in die Bereiche Personalisierung und Ethnozentrismus untergliedert. 

Der Bereich Personalisierung spiegelt die Meinung und Erfahrung des verfassers wieder. Das klassische Beispiel hierfür sind Kolumnen, in denen der Autor seine Gedanken mit dem leser teilt. 

Ethnozentrismus bezieht sich auf die Betroffenheit der Bevölkerung eines Landes, in dem das jeweilige Medium entscheidet. Ethnozentrismus und Relevanz ähneln sich, sind aber daran zu unterscheiden, dass sie der Ethnozentrismus ausschließlich auf die Bevölkerung eines Landes bezieht und damit räumlich gebunden ist.

Relevanz kann jedoch auch thematisch gebunden sein. So kann zum Beispiel auch die Ausübung eines Hobbies dazu führen, ob man eine Meldung als relevant ansieht oder nicht.

Wie nutzt man die Nachrichtenfaktoren?

Nachdem du die Nachrichtenfaktoren nun eingehend kennengelernt hast, fragst du dich vielleicht, wie diese dir dabei helfen können, deine Pressearbeit effizient zu gestalten.

Zunächst einmal kannst du anhand der Nachrichtenfaktoren prüfen, ob du überhaupt eine berichtenswerte Story hast. Denn auch wenn es vielleicht logisch klingt, ist die Fremd- und Eigenwahrnehmung an dieser Stelle häufig eine andere. Dein Themenvorschlag sollte mindestens einen Faktor aufweisen, der stark vertreten ist. 

Aber die Nachrichtenwerte kannst du auch noch gewinnbringender nutzen: Wenn du diese gezielt einsetzt, kannst du deine Themenvorschläge entsprechend der Relevanz der Nachrichtenwerte für das jeweilige Medium anpassen. 

Das bedeutet, dass du darauf achten musst, was für die Zeitung, den Radiosender, den Podcast oder auch das Online-Magazin wichtig ist. Du optimierst deine Geschichte also bevor du diese an die Medien pitchst. Eine Story für die regionalen Medien darf und sollte die räumliche Nähe in den Vordergrund stellen. Für überregionale Medien spielt dieser Faktor keine Rolle und darf entsprechend im Hintergrund bleiben. So kannst du aus einer Geschichte viele Variante kreieren, die darauf abgestimmt sind, was diese für das jeweilige Medium berichtenswert macht. 

Hast du Frage, Anregungen oder Wünsche? Dann lass gerne einen Kommentar unterhalb des Artikels da. 

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