Schon im November 2018 hatte Instagram angekündigt Spam- und Bot-Accounts das Leben schwer zu machen und zukünftig gegen diese vorzugehen. Die Hoffnung war bei vielen User groß, doch nach der ersten Euphorie zeigte sich schnell, dass sich hinter der großen Ankündigung nicht viel verbarg. Denn es passierte erstmal nichts. Die gewünschte Welle von Löschungen und die Eindämmung von Bot-Kommentaren a la “Nice Pic!” blieb aus.

Bis jetzt. Denn in der vergangen Woche zeigten sich viele Instagram-User überrascht, als sie am Mittwochmorgen auf ihren Account schauten. In der Nacht vom 12. auf den 13. Februar hatte Instagram wohl mit einem technischen Fehler, einem Bug, zu kämpfen. Viele Instagramuser waren erschrocken über die hohen Followerverluste und schnell verbreitete sich das Gerücht, Instagram hätte nun endlich auf einen Schlag Spam- und Bot-Kommentare gelöscht. So schnell, wie die Follower weg waren, waren sie aber auch wieder da. Denn es war wohl keine großangelegte Lösch-Aktion sondern nur ein technisches Problem. Die Welle der Reaktion, die dies jedoch auslöste, gibt Anlass dazu sich die Zahl der Abonnenten mal ein wenig genauer anzuschauen.

Was ist die Abonnentenzahl?

Mit einem Blick hat jeder Profilbesucher sie im Blick: Die Zahl der Abonnenten, also die Anzahl der Personen, die einem Profil folgen. Auf jedem Instagramprofil, sei es ein privater oder ein Business-Account, findet man die Anzahl der Follower oben rechts. Dort werden zudem auch die Anzahl der bisherigen Feedbeiträge und die Zahl der Abonnements des Profils angezeigt.

Die Zahl der Abonnenten zeigt an, wie viele Personen das Profil abonniert haben. Sie ist neben den zwei genannten Kennzahlen, die einzige Zahl, die dem Profilbesucher gezeigt wird. Denn die Instagram Insights, also die interenen Statistiken von Instagram,  sind nur für den Inhaber eines Businessprofils sichtbar und bleiben den Besuchern verborgen.

Prominente Platzierung

Die Zahl der Abonnenten so prominent in Szene zu setzen, war im ersten Schritt ein cleverer Schachzug von Instagram. Denn durch die Abonnentenzahl lässt sich auf einen Blick erkennen, wer (vermeintlich) wichtig ist und wer nicht.

So kann jeder Nutzer erkennen, wem es sich lohnt zu folgen und wer für ein bestimmtes Thema relevant ist. Werbetreibende können auf die gleiche Art und Weise nach neuen Gesichtern für die Vermarktung suchen.

Eine gar nicht mal so aussagekräftige Zahl

Sich alleine an der Abonnentenzahl zu orientieren, wäre jedoch keine gute Idee. Denn diese Kennzahl ist wenig verlässlich und noch weniger aussagekräftig. Denn die Schlichtheit der Zahl birgt auch einige Gefahren.

Mit nur ein paar Klicks und ein wenig Geld lässt sich jedes Instagramprofil pushen. Innerhalb von Minuten (oder Stunden – dann fällt es weniger auf) kommen neue Abonnenten hinzu. Je nach Bestellvolumen und Anbieter kosten die hinzukommenden Follower wenige Centbeträge. Ein schnelles Wachstum kann so realisiert werden.

Das bietet zwei wesentliche Vorteile: Die vermeitliche Reichweite des Profils wird in kürzester Zeit künstlich vergrößert. Dadurch ergibt sich meist eine Art Sog. Durch das schnelle Wachstum werden reale User auf das Profil aufmerksam und abonnieren dieses. Neben den gekauften Abonnenten kommen also auch Echte hinzu.

Für den Profilbesucher ist letztendlich nicht erkenntlich, ob es sich um gekaufte oder echte Abonnenten handelt. Erst durch aufwendige Recherche, Beobachtung oder die Nutzung von spezieller Software kann aufgeklärt werden, ob beim Abonnenten-Wachstum nachgeholfen wurde oder nicht.

Warum der Kauf von Abonnenten Sinn macht

Viele Influencer oder solche, die es noch werden wollen, versprechen sich durch den Kauf von Abonnenten die Zahl der Werbedeals anzukurbeln. Denn das ist es schließlich das Kerngeschäft jedes großen Influencers. Unternehmen können erst einmal nur von der Abonnentenzahl auf die potenzielle Reichweite und Relevanz eines Profils schließen. Zwar kann man durch Analysetools und Recherche herausfinden, ob an der Zahl gedreht wurde oder nicht. In vielen Fällen fehlt den Marketingabteilungen aber schlicht die Zeit, Geld oder auch die notwendige Erfahrung um den Betrug aufzudecken. Deshalb kommen immer noch viele Deals trotz Fake zustande.

Schon lange ist der Kauf von Abonnenten jedoch kein Vorgehen mehr, dass ausschließlich von Influencern genutzt wird. Auch Unternehmen greifen immer öfter ins Kleingeldfach, um die Abonnentenzahl zu pushen. Der vermeintliche Grund: Ein Unternehmensprofil mit wenigen Abonnenten sieht nicht erfolgreich aus.

Das Märchen von der Reichweite

Einige Unternehmer haben Angst sich mit wenig Abonnenten zu blamieren und sehen sich daher zum Kauf gezwungen. Was hier fehlt, ist das Verständnis dafür, welche Möglichkeiten Instagram bietet und was die Abonnentenzahl in Wirklichkeit ausdrückt.

Instagram ist nämlich mehr als ein reines Prestige-Objekt, bei dem die eigene Relevanz und Marktmacht demonstriert werden kann. Instagram bietet die Möglichkeit in die aktive Ansprache und Interaktion mit der eigenen Zielgruppe zu treten. Leider wird das häufig missverstanden und plötzlich steht alleine die Abonnentenzahl des Profils im Vordergrund.

Unternehmen, die auf den Kauf von Abonnenten setzen, möchten eine größere Reichweite um mehr zu verkaufen, den Marktanteil zu erhöhen oder schlicht sichtbarer zu werden. Dazu lässt sich folgendes sagen: Zum einen bedeutet eine große Reichweite nicht erfolgreich zu sein. Zum anderen hat eine große Abonnentenzahl nur am Rande mit der Reichweite zu tun.

Denn um Reichweite und damit Sichtbarkeit zu erzielen, gilt es vielmehr den Output auf Instagram, also die Anzahl der Beiträge, zu erhöhen.

Die Zahl der Abonnenten ist nämlich nicht mehr als die Anzahl der Personen, die auf direktem Wege deine Beiträge konsumieren können. Dank des Instagram-Algorithmus lässt sich die tatsächliche Zahl jedoch nochmal deutlich reduzieren. Offiziell werden die Beiträge zwar an alle Abonnenten ausgeliefert, in der Realität darf man daran jedoch stark zweifeln.

Insofern stimmt es natürlich die Reichweite mit der Anzahl der möglichen Konsumenten gleichzusetzen. Jedoch sprechen wir hier nur von der direkten Reichweite. Durch eine ausgefeilte Hashtagstrategie und die Qualität der Inhalte lässt sich die Reichweite durchaus stark beeinflussen. Die Zahl der Abonnenten bestimmt daher nicht unbedingt maßgeblich die Reichweite.

Struktur der Abonnenten zeigt die Relevanz

Neben der vermeintlichen Reichweite wird die Abonnentenzahl auch immer wieder für die Bestimmung der Relevanz eines Profils für eine bestimmte Zielgruppe herangezogen. Das ist nicht nur für Influencer Marketing sondern auch für uns Solopreneure interessant. Denn auch mit wem du interagierst, sollte von der Relevanz eines Profil abhängig sein.

Stell dir vor du bekommst zwei Anfragen um auf Instagram ein Live-Interview zu machen. Dummerweise fallen beide Anfragen auf den gleichen Termin. Du musst also entscheiden, welche Anfrage du annimmst. Der erste Account hat 10.000 Abonnenten, der zweite hingegen nur 460. Auf den ersten Blick würde man also ganz klar zum ersten tendieren. Denn dieser hat eine viel größere Relevanz für dich, da er mehr potenzielle Kunden (seine Abonnenten) für dich hat. Aber es lohnt sich einen Blick hinter die Kulissen oder auch die Abonnenten-Struktur zu wagen. Denn erst hier zeigt sich, wie Relevant ein Profil für eine bestimmte Zielgruppe wirklich ist.

Der erste Kanal hat möglicherweise viele gekaufte Abonnements, so dass sich seine Struktur aus inaktiven oder gar Fakeprofilen zusammensetzt. Tatsächliche Abonnenten, die dem Profil aufgrund seiner thematischen Ausrichtung folgen, sind eher rar. Dein Thema ist also weder sonderlich gefragt, noch hat der Profilinhaber eine aktive Bindung zu seinen Abonnenten.

Im zweiten Profil wird es sich vermutlich um viele aktive Abonnenten handeln. Der Profilinhaber hat eine gute Beziehung zu seinen Communitymitgliedern und kann diese aktiv für das Live gewinnen.

Eine einfach Rechnung zeigt deutlich welches Profil mehr Relevanz besitzt: 460 aktive Instagram-User, die als potenzielle Kunden angesprochen werden können, sind weit mehr wert als 10.000 inaktive Abonnenten.

Was zählt, ist die Anzahl der Interaktionen

Die wichtigste Kennzahl auf Instagram ist also nicht die Zahl der Abonnenten sondern die Anzahl der Interaktionen. Und diese verbessert sich umso weniger inaktive Abonnenten du hast. Eine kleinere Anzahl an Abonnenten kann demnach sogar seine Vorteile haben.

Zudem wirken sich die Anzahl der Interaktion auch positiv auf den Algorithmus aus. Dein Beitrag bekommt mehr Relevanz und mehr Reichweite. Neue Abonnenten kommen so von ganz alleine.

Das geht selbstverständlich nicht über Nacht und bedarf viel Zeit, Pflege, einer Menge guten Content und aktiver Interaktion.

Wer auf schnelles Wachstum durch den Kauf von Abonnenten setzt, hat den Sinn und Zweck von Instagram als aktivem Kanal zur eigenen Zielgruppe schlichtweg nicht verstanden.

Und spätestens nach einer derartigen Säuberungsaktion seitens Instagram wird sich der ein oder andere wohl wünschen das Geld nicht in Fake-Abonnements sondern in einen guten Social-Media-Manager gesteckt zu haben.

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