Habst du dich schon mal über Anforderungen innerhalb deiner Branche oder Änderungen durch die Politik geärgert? Ich denke solche Situationen kennt jeder Unternehmer. Ein gutes Beispiel der letzten Zeit ist wohl die DSGVO, die vor dem Hintergrund getroffen wurde, dass Datenschutz besonders bei großen Konzernen stärker wahrgenommen werden sollte. Getroffen hat es allerdings hauptsächlich kleine bis mittelständische Unternehmen.

Damit politische Entscheidung im Rahmen dessen getroffen werden können, was für die Betroffenen vorteilhaft oder angemessen ist, gibt es einen ganz speziellen Bereich der PR – und der nennt sich Public Affairs.

Was ist Public Affairs?

Public Affairs ist das strategische Management von politischen Entscheidungsprozessen. Konkret bedeutet das, dass durch verschiedene Maßnahmen versucht wird, politische Entscheidungen zu lenken. Dabei geht es nicht um Manipulation, sondern viel mehr darum die eigenen Interessen in Entscheidungsprozesse einzubringen.

Eine Aufgabe für Spezialisten

Public Affairs ist wohl der Bereich für Kommunikations-Spezialisten. Denn neben guten Kontakten und einem stetigen Ausbau dieser, braucht es auch eine Menge politisches Wissen und ein unweigerliches Fingerspitzengefühl. Public-Affairs-Manager tragen eine hohe Verantwortung, denn sie interagieren als Interessenvertreter ihrer Kunden. Das können Unternehmen, öffentliche Institutionen, Verbände, Parteien oder auch NGOs sein. Public Affairs Dienstleistungen werden in großen Unternehmen meist von eigenen Abteilungen bearbeitet, kleine und mittelständische Unternehmen können auf die Hilfe von spezialisierten Agenturen zurückgreifen.

Aufgaben der Public Affairs

Politische Kommunikation hat nichts mit Schmiergeld und unlauteren Mitteln zu tun. Ziel der Bemühung ist stets der Dialog mit Entscheidungsträgern. Darüber hinaus steht oft auch die Sensibilisierung der Gesellschaft für ein Thema im Vordergrund. Meist sind es Themen und Umstände, die sonst nicht in der breiten Masse diskutiert werden würden, weil die politischen Auswirkungen zu komplex erscheinen oder in der Zukunft liegen.

Und die Zukunft ist eins der wichtigsten Faktoren für den Aufgabenbereich der Public Affairs. Denn besonders die ständige Analyse und das Auswerten von Risikofaktoren ist eine der Hauptaufgaben. Stell dir vor, du bist Unternehmensinhaber und eine Gesetzesänderung würde dein gesamtes Geschäftsmodell ruinieren. Aufgabe des Public-Affairs-Manager ist es einem solchem Fall, das Risiko (frühzeitig) zu erkennen und die geeigneten Schritte einzuleiten. Frühzeitiges Erkennen von politischen Änderungen ist extrem wichtig. So muss bei einer Gesetzesänderung in der Regel bereits 7 Jahre vorher agiert werden, da der Prozess bis zur Verabschiedung so lange braucht. Sie sehen also politisches Monitoring ist eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Gehen wir weiter davon aus, dass eine mögliche Gesetzesänderung im Raum steht und dein Geschäft bedroht. Aufgabe der Public Affairs ist es, aktives Informationsmanagement zu betreiben. So sollten Betroffene, Verbände und vor allem die Politik auf den drohenden Umstand der Gesetzesänderung aufmerksam gemacht werden. Außerdem sollten an dieser Stelle Interessenvertretungen gegründet werden, um das gemeinsame Ziele zu verfolgen.

Zudem müssen Beziehung zu Entscheidungsträgern geknüpft werden um an dieser Stelle im Dialog auf die Auswirkungen der Entscheidungen hinzuweisen und die politische Gesinnung der jeweiligen Person zu ergründen.

Public Relations – nur für die Großen?

Hört man von Schmier- und Bestechungsgeldern in Unsummen könnte leicht der Eindruck entstehen, Public Affairs sei nur etwas für die ganz großen Fische. Da ich ja bereits mit dem Vorurteil der zweifelhaften Branche aufräumen konnte, geht es nun an das Zweite: Public Affairs ist keinesfalls nur etwas für die ganz großen Unternehmen.

Überlegen wir doch nur mal wie viele Weltkonzerne es in Deutschland gibt. Klar, haben wir als Wirtschaftsstaat einige großartige internationale Konzerne zu bieten. Allerdings können diese in keinem Fall mit der Anzahl mittelständischer und kleiner Unternehmen konkurrieren. Politische Entscheidungen treffen also viel mehr kleine als große Unternehmen. Daher wäre es ratsam, wenn gerade diese Schicht sich aktiv an dem politischen Interessen Interessenaustausch beteiligen würde.

Das ist leider immer noch selten der Fall. Zum einen scheint oft das persönliche Interesse zu fehlen, andererseits sind die Möglichkeiten der Public Affairs in KMUs und bei Einzelunternehmern oft gänzlich unbekannt. Auch die Preise für eine spezialisierte Agentur schrecken viele Unternehmer ab. Dabei kann diese auch durchaus von einem Verein, einer Interessenvertretung oder ähnlichen Zusammenschlüssen beauftragt werden.

Public Affairs = Gesellschaftliches Engagement

Auch wenn Public Affairs in Deutschland einen zweifelhaften Ruf haben, der durch einige schwarze Schafe der Branche nachhaltig geschädigt wurde, hat die Branche vor allem einen sehr löblichen Hintergrund. Die Einmischung in politische Entscheidungsprozesse kann sogar als gesellschaftliches Engagement bezeichnet werden. So geht es Verbänden und NGOs oftmals um Bereiche, wie Ausbildung, Umweltschutz, Arbeitsmarkt und Sozialpolitik.

Public Affairs ist also nicht nur für große Institutionen wichtig, sondern für jeden Unternehmer, der sein Umfeld aktiv mitgestalten möchte.

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