PR-Berater haben mitunter nicht den besten Ruf. Dass das an einigen PR-Irrtümern, wie Presseportalen liegt, kann ich mir nach einigen Entdeckungen in der letzten Woche mal wieder gut vorstellen. Eigentlich war ich auf der Suche nach Websiteinspirationen und wollte mal bei (vermeintlichen) Kollegen schauen, wie sie ihre Webpräsenz gestaltet haben.

Was mir entgegenschlug war erschreckend: Vollkommen veraltete Annahmen und Maßnahmen, die als das Non-Plus-Ultra der modernen PR verkauft wurden. Das Public Relations so nicht funktioniert ist klar. Das damit einhergehende, sinkende Ansehen des Berufsstands ist für wirkliche PR-Profis eine bittere Pille.

Ein paar dieser Irrtümer und Mythen möchte ich hier nun einmal aufgreifen und damit aufräumen:

Irrtum 1: Presseportale sind gut für die PR und super fürs Google Ranking

Einer der größten Irrtümer, der selbst in großen PR-Agenturen immer noch kursiert, ist die Annahme, dass Presseportale relevant für das Google Ranking und die gesamte Pressearbeit an sich wären.

Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Presseportale sind belanglos bis schädlich.

Schauen wir uns einmal an, was ein Presseportal eigentlich ist: Presseportale waren in frühen Zeiten des World Wide Web eine Möglichkeit Informationen an Journalisten zu transportieren. Man konnte also eine Pressemitteilung einstellen und die Journalisten könnten sich dann zu ihrem Thema auf den Presseportalen informieren und die interessantesten Häppchen herauspicken. Sie dienten also als eine Art Mittler.

Diese Zeiten sind längst vorbei. Informationen werden heute anders kommuniziert und konsumiert – durch Recherche auf Social Media, in Blogs und Fachartikel oder über die Informationen auf Unternehmenswebsites. Oder aktiv kommuniziert durch gezielte Pressearbeit via Mail, Telefon oder der persönlichen Ansprache. Langes Suchen in Presseportalen zählt nicht zu den Beschäftigungen von Journalisten.

Neben diesem ersten Teil des Irrtums, dass Journalisten Pressemitteilungen auf Presseportalen lesen würden, existiert auch immer noch der Mythos, dass diese Herangehensweise wichtig für SEO wäre. Auch hierbei handelt es sich um einen Irrtum. Auch wenn man nicht alles über den Google Algorithmus weiß, so ist doch ziemlich klar, dass für Google wichtig ist, wie aktiv die Seite genutzt wird. Und da, wie soeben festgestellt wurde, keine Journalisten tagtäglich die Presseportale durchstöbern, habe Presseportale vermutlich keine hohen Zugriffszahlen. Denn wer, außer Journalisten, interessiert sich sonst noch für Pressemitteilungen? Richtig – niemand.

Presseportale bilden somit keinen qualitativen Backlink, sondern bloß die Möglichkeit einen Link zu setzen. Diese quantitativen Links sind weniger Wert als hochwertige. Es kann sogar so weit gehen, dass sich das Google Ranking durch quantitative Links verschlechtert.

Außer der reinen Veröffentlichung bieten viele Presseportale noch weitere Services, wie das Versenden der Pressemitteilung über einen großen Presseverteiler. Auch hier kann ich nur raten die Finger von zu lassen. Denn zum einen brauchst du für erfolgreiche Pressearbeit einen eigenen und individuell erstellten Presseverteiler und zum anderen, solltest du etwas so wichtiges, wie deine Pressearbeit nicht einfach über eine anonyme Mailadresse versenden. Das wirkt äußerst unprofessionell.

Irrtum 2: Für PR braucht man keine Ausbildung

Wenn du einen Dienstleister beauftragst, gehst du natürlich davon aus, dass dieser seine Arbeit gelernt hat – eine Ausbildung oder sogar ein Studium in einem Bereich absolviert hat, bevor er sich Berater, Coach oder Experte nennt. Das ist allerdings so eine Sache – denn in der PR sind die Ausbildungsprozesse noch lange nicht standardisiert und die Ausbildung an sich auch noch nicht sonderlich alt.

Daher sind viele langjährige PR-Berater ehemalige Journalisten oder haben auf sonstigem Wege in die PR-Branche gefunden. Das ist auch gar nicht verkehrt und diese Dienstleister haben vor allem eins vorzuweisen: massenweise Berufserfahrung.

Aber der Begriff PR-Berater ist nicht geschützt. Und neben fundierten Studiengängen gibt es auch 4-Wochen-Workshops oder ähnliche Ausbildungsmodelle, die mit dem Zertifikat des PR-Beraters abschließen (Stichwort: IHK). Sicherlich kannst du dir vorstellen, dass ein so komplexes Thema, wie Public Relations nicht in einen 4- oder 6- Wochen-, noch in einen 6-Monat-Kurs passt.

Auf dem Markt befinden sich jedoch eine ganze Menge selbstständige Berater, die genau diesen Ausbildungsbackground haben.

Mir selbst, sagte eine ehemalige Kollegin einmal, dass man für PR keine bestimmte Ausbildung bräuchte. Dem kann ich nur in aller Deutlichkeit wiedersprechen. PR ist dermaßen komplex und verändert sich durch die stetigen Wandlungen der Online-PR schneller als man gucken kann. Für gute PR reichen auch nicht nur eine gute Schreibe (ehemalige Journalisten führen das Argument gerne an) oder Kenntnisse in der Kommunikation. Auch Psychologie, BWL, Marketing und vor allem Social-Media-Kenntnisse sind mittlerweile Standart. Gute PR-Berater haben darüber hinaus noch viele weitere fundierte Kenntnisse.

Da Public Relations entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg Ihres Unternehmens sein kann, appelliere ich an dieser Stelle daran, sich die Ausbildung der PR-Berater äußerst gut anzuschauen. Recherchiere ruhig die Qualifikationen. Berufsbegleitende Zertifikate und ähnliches sind für mich aber oft ein Hinweis auf Quacksalber. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Dennoch – für PR braucht man eine solide Ausbildung und stetige Weiterbildung.

Irrtum 3: Social Media ist keine PR

Immer spricht man von Social-Media-Marketing. Dabei bezeichnet das eigentlich nur (genau wie sonst auch) die punktuelle Vermarktung über Social Media. Die eigentliche Nutzung und Betreuung von Social Media ist eine klassische PR-Aufgabe.

Umso mehr verwundert es mich da, dass manche „Kollegen“ auf ihren Websites Social Media als etwas Vergängliches du vor allem nicht relevantes darstellen. Es stimmt, dass nicht für jedes Unternehmen jeder Social-Media-Kanal richtig und relevant ist, aber dennoch ist und bleibt Social Media eine Erweiterung der Kommunikationskanäle und ist somit ein Schwerpunkt der Online-PR, der einfach nicht mehr wegzudenken ist. 

Diskussionen darüber, ob soziale Netzwerke grundsätzlich wichtig für die PR sind, gibt es nicht. Denn das sind sie. Dienstleister die in Gänze anderer Auffassung sind, haben scheinbar die letzten 20 Jahre verschlafen oder ihren Job verfehlt.

Irrtum 4: PR ist nur was für große Firmen

Immer wieder verblüfft mich die Aussage „PR sei doch nur etwas, dass große Firmen machen und brauchen würden“. Dabei betrifft die gesamte Unternehmenskommunikation die PR. Also jedes Unternehmen, hat die Notwendigkeit professioneller PR. Das muss nicht immer gleich ein Berater sein, sondern kann auch gut selbst gemacht werden.

PR ist nicht nur etwas für Solopreneure und Mittelständler, sondern bietet gerade diesen Unternehmensgrößen besondere Vorteile.

Irrtum 5: PR kostet viel Geld

PR sei teuer – auch das ist einer der größten Irrtümer. „Marketing kann ich mir nicht leisten“, habe ich hingegen noch nie gehört. Dabei ist PR grundsätzlich wesentlich preiswerter als das omnipräsente Marketing.

Denn Public Relations Maßnahmen sind nicht nur per se günstiger, sondern können auch gestaffelt durchgeführt werden. Auch bieten sich viele weitere Möglichkeiten einen möglichst geringen Preis bei der PR zu erzielen. So kann man beispielsweise nur eine Beratung in Anspruch nehmen, anstatt alle Maßnahmen von einem Dienstleister umsetzen zu lassen.

In der PR-Branche gibt es keine festgelegten Preise. Diese variieren stark, wie ich es bereits in der Preisübersicht des Artikels „Was kostet PR?“ dargestellt habe.

Public Relations ist allerdings zeitaufwendig. Denn hinter guter PR steht immer eine fundierte Analyse und eine funktionierende Strategie. Richtigerweise sollte es also heißen: PR kostet Zeit.

Mit welchen PR-Irrtümern bist du schon einmal konfrontiert worden und wie sind deine Erfahrungen damit?

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